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Programm der Hannah-Arendt-Lectures 2011 in Hannover | |||||||||||||||||||||||||||||
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Öffentliche Vorträge zum Thema "Untergang des Abendlandes? - Die Zukunft der europäischen Kultur in der Welt" jeweils mittwochs von 18.00 bis 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Hannover, Hildesheimer Str. 12, 30169 Hannover. Es besteht Gelegenheit zum Besuch des Arendt-Raums. Bücher von und zu Hannah Arendt können am Büchertisch der Buchhandlung Lehmanns erworben werden.
20. April 2011
25. Mai 2011
22. Juni 2011
Veranstalter: Prof. Dr. Detlef Horster, Projekt "Wissenschaft trifft Politik - Politik trifft Wissenschaft", Philosophische Fakultät der Leibniz Universität Hannover, Schloßwender Straße 1, 30159 Hannover, Telefon: 0511 - 7624690, Fax: 0511 - 7625610 Email: horster(at)ewa.uni-hannover.de, Website: http://www.detlef-horster.de
Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren. Sie hat als deutsch-jüdische Denkerin die Erfahrungen dieses Jahrhunderts, die Zusammenhänge und das Spannungsfeld von Theorie und Praxis, politischem Urteilsvermögen und philosophischer Reflexion wie kaum andere miteinander verbunden. Hannah Arendt ist in der politischen Gegenwart deshalb von Bedeutung, weil sie es in unvergleichlicher Weise verstanden hat, Politik und Wissenschaft in komplementärer Weise zu verbinden. Daran angelehnt werden jedes Jahr Themenstellungen entwickelt, die an akuten sozialen und politischen Problemen orientiert sind. Damit befinden wir uns ganz und gar auf der Linie des Denkens von Hannah Arendt. Sie hat essentielle politische Probleme ihrer Zeit aufgegriffen und denkend durchdrungen. In dieser Weise wollen wir das Erbe Hannah Arendts fortsetzen. Gewiss, die politischen Probleme haben sich geändert, doch sind wir sicher, dass sie so drängend sind, dass sich auch Hannah Arendt ihnen zugewandt hätte - Die HANNAH ARENDT LECTURES finden im Rahmen des Projekts "Wissenschaft trifft Politik - Politik trifft Wissenschaft" statt. Das Projekt wird durch die VolkswagenStiftung gefördert. Kathinka Dittrich van Weringh arbeitete von 1966 bis 1994 beim Goethe-Institut, u.a. als Gründungsleiterin des Goethe-Instituts Moskau. Anschließend war sie Kulturdezernentin der Stadt Köln und wurde bis 2008 Vorstandsvorsitzende der Europäischen Kulturstiftung mit Sitz in Amsterdam. Heute arbeitet sie freiberuflich mit dem Schwerpunkt inner- und außereuropäische Kulturpolitik.In ihrem Vortrag wird betont werden, dass "europäisch" nicht mir "westlich" gleichzusetzen ist, dass unter "Kultur" das Zusammenspiel aller Kräfte in einem Gemeinwesen zu verstehen ist, wobei den Künsten eine besondere Rolle zukommt. Sie erläutert, dass der mühselige Prozess des Eingehens auf andere inner- wie außereuropäische Kulturen, auf deren oft sehr unterschiedliche Strukturen, historische Erfahrungen, Sit-ten, Traditionen und Kunstäußerungen eine ständige Herausforderung darstellt und doch unabdingbar für eine langfristige Vertrauensbildung ist. Vertrauen lässt sich nicht per Dekret erreichen und auch nicht durch angeordneten Demokratieexport. Die Bereitschaft zum Dialog ist die Stärke Europas trotz aller Rückschläge durch lokale, regionale, nationale Egoismen in diesem einzigartigen unvollendeten, prozesshaften Europaprojekt. Rolf Elberfeld studierte Philosophie, Japanologie, Sinologie und Religionswissenschaft in Würzburg, Kyoto und Bonn. Er promovierte und habilitierte zu Themen asiatischer Philosophie. Seit 2008 ist er ordentlicher Professor für Kulturphilosophie an der Stiftung Universität Hildesheim. Neben dem Ruf nach Hildesheim erhielt er Rufe an die Universitäten Zürich, Innsbruck und Wien. Seit 2009 ist er neben seiner Lehrtätigkeit als Professor für Kulturphilosophie Leiter des "Herder-Kollegs. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung" an der Universität Hildesheim. Über den Vortrag: Das Wort "Kultur" ist in seiner weiten Verwendungsweise ein Produkt der europäischen Aufklärung im 18. Jahrhundert. Es wurde zunächst nur im Singular verwendet und erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts im Plural. Wenn wir heute nach der Zukunft der europäischen Kultur bzw. der europäischen Kulturen in der Welt fragen - auch hier markieren der Singular und der Plural einen deutlichen Unterschied -, so muss klar sein, dass dieses Beschreibungsmuster selbst ein europäisches Produkt ist, das in vielen Sprachen zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Kultur ist eine Idee, die die Endlichkeit menschlicher Lebensformen anerkennt und sich mit dem Gedanken der geschichtlichen Veränderung verbunden hat. In diesem Sinne möchte der Vortrag die Leitfrage umformulieren und zwei Fragen stellen: Wie hat sich die europäische Kultur in der Begegnung mit der Welt verändert und wie haben sich andere Kulturen in der Begegnung mit Europa verwandelt? Welche Formen können diese gegenseitigen Transformationen in Zukunft annehmen und welche Perspektiven werden daraus erwachsen? Ralf Schnell lehrte von 1988 bis 1997 als Ordentlicher Professor für Deutsche Gegenwartsliteratur an der Keio-Universität Tokyo; von 1997 bis 2005 war er Inhaber des Lehrstuhls für Germanistik/Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Siegen; dort leitete er auch den DFG-Sonderforschungsbereich "Medienumbrüche"; von 2006 bis 2009 war er Rektor der Universität Siegen. Er lebt heute als wissen-schaftlicher Autor in Berlin. Er war als Gastprofessor in verschiedenen Ländern Ostasiens tätig, so in Japan, Thailand, Vietnam, Laos und zuletzt (Ende 2010) an der Tongji-Universität in Shanghai. In seinem Vortrag wird er auf das Gefälle hinweisen, das zwischen Europa und Ostasien besteht. Es handelt sich - so die Ausgangsthese - um ein Bildungsgefälle, das seinen Grund auf europäischer Seite in der Unkenntnis der ostasiatischen Kulturen und ihrer Geschichte hat, das von unzutreffenden Voraussetzungen - Befürchtungen wie Vorurteilen - ausgeht und zu Wahrnehmungsverzerrungen führt, zu Idealisierungen und Idyllisierungen ebenso wie zu einer Art Hybris im Bewusstsein der Überlegenheit europäischer Wirtschaft und Technik. Demgegenüber bietet die Wahrnehmung Europas und insbesondere Deutschlands aus der Perspektive ostasiatischer Länder ein vergleichsweise realistisches Bild, ein Vorzug, der seinen Grund in der Bereitschaft der nachwachsenden Generationen in Ostasien - etwa in Japan, China und Korea - zur bildenden Aneignung der europäischen Geschichte, ihrer Wissenschaften und ihrer Kunst besitzt. Eine Zukunft - so das Fazit des Vortrags - besitzt die europäische Kultur in der ostasiatischen Welt dann, wenn sie an der Aufhebung dieses Bildungsgefälles mitwirkt.
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