Die Hannah-Arendt-Tage Hannover
 
  Der Oberbürgermeister der Stadt Hannover veranstaltet einmal im Jahr die Hannah-Arendt-Tage Hannover. Das Kuratoriums-Statut hat folgenden Wortlaut:


"Verstehen heißt, die Last, die unser Jahrhundert uns auferlegt hat, untersuchen und bewußt ertragen - und zwar in der Weise, die weder deren Existenz leugnet noch sich unter deren Gewicht duckt. Kurz gesagt: Verstehen heißt, unvoreingenommen und aufmerksam der Wirklichkeit, wie immer sie aussehen mag, ins Gesicht zu sehen und ihr widerstehen." (Hannah Arendt)
 

"Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren. Sie hat als deutsch-jüdische Denkerin die Erfahrungen dieses Jahrhunderts, die Zusammenhänge und das Spannungsfeld von Theorie und Praxis, politischem Urteilsvermögen und philosophischer Reflexion wie wenige andere miteinander verbunden.

Unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Hannover werden im Neuen Rathaus jährlich zum Geburtstag von Hannah Arendt öffentliche Vorträge mit anschließenden Symposien mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Philosophie und Politik stattfinden. Diese Begegnungen und Debatten von Philosophie und Politik sollen den Namen "Hannah-Arendt-Tage Hannover" tragen.

Der Oberbürgermeister beruft ein Kuratorium mit mindestens sieben Mitgliedern. Das Kuratorium berät den Oberbürgermeister im Sinne der Zielsetzung der Hannah-Arendt-Tage bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung.

Das Kuratorium entwickelt insbesondere die konkreten Themenstellungen, die an sozialen und politischen Fragen orientiert sind, und gibt Empfehlungen für die beteiligten Referentinnen und Referenten, die der Oberbürgermeister einlädt.

Die Politik, so schreibt Hannah Arendt, braucht das philosophische Nachdenken über das, was ihr Alltagsgeschäft ist. Über Probleme, die im politischen Alltag unter dem Zwang des Handelns schnell gelöst werden müssen, soll man nach ihrer Ansicht genauer nachdenken. Politikerinnen und Politiker sollten - so meint sie - durch das Zusammentreffen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Impulse bekommen. Umgekehrt sollten Theoretikerinnen und Theoretiker ein Bewusstsein für praktische politische Probleme erhalten." (Statut des Kuratoriums der Hannah-Arendt-Tage Hannover)

In dieser Weise der Verbindung von Politik und Wissenschaft sind in jüngster Vergangenheit Versuche unternommen worden, Bewegung und Flexibilität ins politische Denken zu bringen. Dies geschieht in den U.S.A. seit langem regelmäßig unter der Titel Philosophy meets Politics - Politics meets Philosophy. Bei solchen Treffen beteiligen sich Philosophen an der Politik, indem sie mit Politikern ins Gespräch kommen. Das haben bekannte Philosophen, wie John Rawls, Michael Sandel, Michael Walzer oder Charles Taylor immer gemacht und betrachteten das als ihre selbstverständliche Aufgabe. Michael Walzer war während der Präsidentschaft Bill Clintons Präsidentenberater.

Nach dem Vorbild dieser amerikanischen Veranstaltungen geschah das in größerem Maßstab erstmals im Oktober 1996 im Kulturforum der SPD im Berliner Willy-Brandt-Haus. Die Veranstaltung wurde vom späteren Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin organisiert. Bei dieser Gelegenheit kamen Politikerinnen und Politiker und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Gespräch. Diese Veranstaltung fand auch in der überregionalen Presse große Resonanz, und zeigte auf beiden Seiten Zufriedenheit. Aufgrund dieses Erfolgs bot es sich seinerzeit an, daran zu denken, solche Treffen regional fortzusetzen, in Hannover verbunden mit dem Namen Hannah Arendt, die durch ihr Profil prädestiniert war, dem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik ihren Namen zu geben.

In diesem Sinne finden auf Anregung von Prof. Dr. Detlef Horster unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Hannover im Neuen Rathaus jährlich zum Geburtstag von Hannah Arendt öffentliche Vorträge mit anschließenden Symposien mit international renommierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wissenschaft und Politik statt. Dabei haben zu politisch drängenden Themen jeweils eine Politikerin oder Politiker auf der einen Seite und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der anderen Seite Stellung bezogen.


Die Vorträge der Hannah-Arendt-Lectures und der Hannah-Arendt-Tage 2011 sind zusammen in einem Sammelband erschienen!
Detlef Horster (Hg.), Untergang des Abendlandes? - Die Zukunft der europäischen Kultur in der Welt, Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2012, 100 Seiten, 12,80 EUR.
 

 
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